23. November 2021 Bio-Fuels

Grüne Hölle Grüne Welle – ADAC-1000-km-Rennen mit Bio-Sprit

Der Nürburgring wird grün“, sagt Henning Meyersrenken, der nicht nur Veranstalter des ADAC-1000-km-Rennens für historische Fahrzeuge ist, das am 25. September auf Grand-Prix-Strecke und Nordschleife stattfand, sondern auch als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Green Mobility Future GmbH agiert, einem Institut für alternative Energien und Kraftstoffe mit Sitz am Nürburgring.

Er und eine Gruppe von Investoren möchten die Daseinsberechtigung der vielleicht schönsten Rennstrecke der Welt für die Zukunft sichern. Das geht natürlich umso besser, wenn der Ring seine Umweltverträglichkeit unter Beweis stellt. Dazu soll unter anderem die gesamte Stromversorgung autark werden. Windkraftanlagen und Sonnenkollektoren soll es geben, die in der Lage sind, mehr als nur den eigenen Bedarf zu decken. Überschuss könnte in Wasserstoffspeichern gepuffert werden. Genügend Ladestationen für Besucher mit Elektroautos seien laut Meyersrenken selbstverständlich geplant. Außerdem setzt er bereits jetzt auf CO2-neutralen Kraftstoff, der auf der Rennstrecke einer der denkbar härtesten Belastungsproben unterzogen wird.

 

Zum Beispiel beim 1000-Kilometer-Rennen. Bei der Revival-Premiere des Langstrecken-Klassikers nutzten mehrere Teams und Fahrzeuge der Organisation einen Hochleistungskraftstoff mit 100 Oktan und biologischer Beimischung.

Doch was war das überhaupt für ein Rennen, das bei schönstem Spätsommerwetter in der Eifel über die Bühne ging? Das ADAC-1000-km-Rennen gehörte von 1953 bis 1983 zu den Höhepunkten der Marken-Weltmeisterschaft und wurde in einem Atemzug mit den 24 Stunden von Le Mans, der Mille Miglia oder der Targa Florio genannt. Rennsportwagen und zuletzt die Gruppe C prägten damals das Bild. Zwar rannten auch GT und Tourenwagen, doch standen die meist im Schatten der schnellen, oft prominent besetzten Prototypen.

Nach ein paar Rennen auf dem Grand-Prix-Kurs, teils mit verkürzter Distanz, verschwand das Rennen Anfang der Neunziger aus den internationalen Rennkalendern. Ein erster Versuch, das Ganze als Oldtimer-Rennen wiederzubeleben, schlief nach einem einzigen Anlauf im Jahr 1997 wieder ein.

Nun also ein neuer Versuch, dem einstigen Klassiker neues Leben einzuhauchen. Da die Nordschleife keine Zulassung mehr für offene Fahrzeuge, geschweige denn für Prototypen oder die Gruppe C hat, erinnerte allerdings kaum mehr etwas an das ursprüngliche Geschehen.

Trotzdem war der Versuch, die Geschichte fortzuschreiben, aller Ehren wert. Zumal sich der Veranstalter durch die Pandemie mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert sah. Die endgültige Genehmigung wurde sehr spät erteilt und zwischenzeitlich drohte die ganze Veranstaltung zu platzen. Dank des unermüdlichen Einsatzes der Verantwortlichen konnte das Rennen aber wie geplant gestartet werden. Leider fehlten Corona-bedingt viele englische Teams.

Das Rennen selbst war eine Mischung aus verschiedenen Meisterschaften: Youngtimer Trophy etwa, Dunlop Historic Endurance Cup oder dem Ferdinand Cup für historische Porsche. Ausgeschrieben war das Rennen in über 80 Klassen, was zu einem wahren Pokalregen bei der Siegerehrung führte.

 

Von den 80 gestarteten Fahrzeugen haben nur 28 die volle Distanz von 1000 Kilometern nicht geschafft – für Klassiker durchaus beachtlich. Bei besten Bedingungen ging das Feld am Samstag auf die Reise. Der Porsche 911 Carrera RS der Busch-Brüder aus Bensheim ging souverän in Führung. Er fuhr sofort Rundenzeiten wie bei einem Sprintrennen und baute den Abstand zu den Verfolgern beständig aus. Die ließen es etwas langsamer angehen und versuchten, ihren Rhythmus zu finden. So sortierte sich das Feld zu einer langen Perlenschnur, die sich immer mehr in die Länge zog. Schon bald standen die ersten Überrundungen an, denn Hillman Imp oder Porsche 356 hatten hunderte PS weniger als die Spitzenreiter. Da mussten vor allem die Schnellen Rücksicht auf die Langsamen nehmen, um Missverständnisse zu vermeiden. Leider gab es trotzdem einige Unfälle, aber soweit bekannt ohne Personenschaden.

Natürlich standen die beiden Teams, die Bio Sprit tankten, unter besonderer Beobachtung. Da war zum einen die deutsch-luxemburgische Renngemeinschaft mit Donny Wagner, Bob Kellen und Joel Prim mit ihrem Ford Mustang, sowie der Kremer-Porsche von Eberhard Baunach, Maik Rönnefarth und Wolfgang Kaufmann. Beide fuhren mit ihren Trainingszeiten ausgezeichnete Startplätze heraus. Doch schon nach kurzer Zeit fiel der Kölner Porsche im Rennen mit technischem Defekt aus und konnte auch nicht mehr repariert werden.

So richteten sich alle Augen auf den Mustang. Der lief wie ein Uhrwerk nicht nur zur Freude des Kraftstofflieferanten. Zuverlässig umrundete er den Ring am Limit. Das Team hielt sich aus allen Reibereien auf der Strecke raus, denn Ankommen war oberste Prämisse. Als sie nach 35 Runden als Klassensieger im Ziel waren, war die Freude groß. Und der Beweis erbracht: Der neue Kraftstoff Bio-Fuel/E20 mit 100 Oktan scheint absolut vollgasfest zu sein. Da die Mustang-Mannschaft der neuen Idee auch ein Stückweit skeptisch gegenübergestanden hatte, steckte unter der Haube übrigens ein Motor mit 61 Rennen auf dem Buckel. „Nun sind die Mustang-Crew und wir vollkommen überzeugt, dank dieses tollen Ergebnisses“, freute sich Markus Feist von Green Mobility Future, auch wenn es den Ausfall des Kremer-Porsche zu verschmerzen galt.

Gesamtsieger wurde übrigens der Porsche 934/5 vom Kersten Jodexnis, Robin Chrzanowski, Edgar Althoff und
Andreas Gülden.

Ein wirklich eindruckvolles Rennen ging zu Ende mit der Aussicht, dass CO2-neutraler Kraftstoff die Zukunft der Oldtimer sichern hilft, nicht nur auf der Rennstrecke. Ein Wermutstropfen freilich bleibt: E20-Sprit gibt es hierzulande nicht an der Tankstelle zu kaufen. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja irgendwann dank der Hilfe von Aktionen wie dieser.

 

 

Oldtimer Markt 11/2021 November

Text: Jochen Geiken
Fotos: BRfoto/Reiter